Myomzentrum

Myomzentrum

Im interdisziplinären Myomzentrum am Krankenhaus Nordwest steht Ihnen ein Team aus Spezialisten der gynäkologischen Endokrinologie, Radiologie und operativen Gynäkologie mit Rat und Tat zur Seite. In dieser, für das Rhein-Main Gebiet einzigartigen Konstellation, sind wir in der Lage, Ihnen alle Behandlungsoptionen an einem Standort anbieten zu können. Hierbei setzen wir die modernste Technik des 3D/4D-Ultraschalls und der Gefäßflussdarstellung sowie ggf. ein MRT zur Diagnostik ein.

Im Vordergrund steht zunächst die Wahl einer möglichst wenig eingreifenden Behandlungsoption.

Sollten diese jedoch nicht zum gewünschten Erfolg führen, können wir Ihnen ein individuell angepasstes Konzept mittels MRgFUS, UAE oder, wenn notwendig, auch mittels einer minimalinvasiven Operation aus einem Guss anbieten.

MIt Ultraschall gegen Myome

Volle Kanne - ZDF
Ein Beitrag mit Prof. Dr. med. Peyman Hadji und Prof. Dr. med. Markus Düx.

Was sind Myome der Gebärmutter?

Myome (Kurzform von Leiomyom) sind Geschwülste (Tumore), die von der Muskelschicht der Gebärmutter (Uterus) ausgehen, dem sogenannten Myometrium. Sie sind gutartig und gehören nicht zu den Krebserkrankungen. Sie wachsen sehr langsam an unterschiedlichen Stellen der Gebärmutter und bestehen aus Bindegewebe und glatter Muskulatur. Myome entwickeln sich bei Frauen im fortpflanzungsfähigen Alter, nach dem 35. Lebensjahr mit steigender Tendenz und sind somit die häufigsten gutartigen Tumore der weiblichen Geschlechtsorgane. Fast die Hälfte aller Frauen hat zum Zeitpunkt der Menopause Myome in unterschiedlicher Zahl und Größe. Sie können beachtliche Ausmaße annehmen und die Gebärmutter verformen.

Die Ursache fü die Entstehung ist noch nicht genau geklärt, es deutet aber vieles auf einen Zusammenhang mit Schwankungen im Hormonhaushalt, unter anderem z.B. der des Östrogens und des Progesterons, hin.

Myome sind auch nach den Wechseljahren mittels Ultraschall nachweisbar. Aufgrund des starken Abfalls der Eierstockhormone (Östrogen und Progesteron) kommt es allerdings ab diesem Zeitpunkt zu keiner Größenzunahme sondern eher zu einer Größenabnahme.

Etwa 40 Prozent aller Frauen zwischen 35 und 55 Jahren haben Myome.

Welche Arten von Myomen gibt es?

  • Intramurale Myome sind die am häufigsten vorkommenden Myome und liegen innerhalb der Gebärmutterwand.
  • Subseröse Myome zeigen sich an der Außenwand des Uterus. Vereinzelt können diese auch über einen dünnen Gefäßstiel mit dem Uterus verbunden sein, die sogenannten gestielten subserösen Myome. Eine Stieldrehung dieser Myome kann heftige Schmerzen verursachen.
  • Submuköse Myome befinden sich an der inneren Gebärmutterwand und wölben sich in die Gebärmutterhöhle vor. Dadurch können sie die Form und Größe der Gebärmutterhöhle verändern. Dies kann zusätzlich zur Beeinträchtigung der Gebärmutterschleimhaut und dadurch zu Blutungsstörungen führen. Auch diese Form der Myome kann gestielt vorkommen.
  • Zervixmyome in seltenen Fällen wachsen Myome auch am Gebärmutterhals (Zervix)
  • Intraligamentäre Myome wachsen an den Haltebändern der Gebärmutter

 

 

Welche Symptome können durch Myome hervorgerufen werden?

Myome werden häufig als Zufallsbefund (z.B. bei der Ultraschalluntersuchung) diagnostiziert, da sie sehr oft keinerlei Beschwerden verursachen. Folgende Symptome sind jedoch möglich:

  • Schmerzen bei der Regelblutung
  • Zwischenblutungen
  • Überstarke Blutungen (Hypermenorrhoe - bei ca. 60 Prozent der Frauen)
  • und/oder verlängerte Regelblutung (Menorrhagie)
  • Schmerzen und/oder Druckgefühl im Unterbauch und Beckenbereich
  • Häufiges Wasserlassen und/oder Missempfindungen beim Wasserlassen
  • Verstopfung
  • Sichtbare Größenzunahme des Bauches
  • Schmerzhafter Geschlechtsverkehr
  • Probleme, schwanger zu werden
  • Lageanomalien des Kindes
  • Schwangerschaftskomplikationen und/oder Fehlgeburten
  • Erhöhte Rate an Blutungen nach einer Entbindung

In Folge starker Blutungen kann es im Verlauf zu einer Blutarmut (Anämie) kommen, die sich mit Müdigkeit, allgemeiner Abgeschlagenheit und Blässe bemerkbar macht. Das Ausmaß der Beschwerden ist vor allem von der Lokalisation und der Größe der Myome abhängig. Heftige Menstruationsbeschwerden und Zwischenblutungen werden durch submuköse Myome verursacht, während krampfartige Schmerzen, insbesondere bei der Regelblutung eher durch intramurale Myome ausgelöst werden.

Zudem können sehr große Myome je nach Lokalisation zu Druckgefühl im Unterbauch und zu Blasenbeschwerden führen.

Wie werden Myome diagnostiziert?

Da Myome oft keine Beschwerden verursachen, entdeckt der Frauenarzt sie häufig als Zufallsbefund z.B. im Rahmen der gynäkologischen Vorsorgeuntersuchung. Bei auftretenden Beschwerden beinhaltet die Diagnosefindung in der Regel folgende Schritte:

  • Ermittlung der Krankengeschichte (Anamnese)
  • Tastuntersuchung (bimanuelle Palpation)
  • Ultraschalluntersuchung (Vaginalsonographie, ggf. abdominale Sonographie)
  • ggf. diagnostische Gebärmutterspiegelung (Hysteroskopie) oder Bauchspiegelung (Laparoskopie)
  • ggf. Magnetresonanztomographie (MRT) oder Computertomographie (CT)

Anamnese: der Arzt erhebt die persönliche Krankengeschichte

  • Aktuelle Beschwerden
  • Körperliche Beschwerden in der Vergangenheit
  • Bisherige Behandlung (falls erfolgt)
  • Medikamenteneinnahme (z.B. Pille)
  • Familienanamnese (z.B. litt die Mutter bereits an Myomen)

Tastuntersuchung:

Der Frauenarzt führt eine bimanuelle Palpation des kleinen Beckens durch, um Anzeichen für Myome oder andere Abnormalitäten zu suchen.

Ultraschalluntersuchung:

Die Vaginalsonographie (durch die Scheide) ermöglicht Blase, Gebärmutter und Eierstöcke mittels Ultraschallwellen sichtbar zu machen. So können Veränderungen ermittelt werden, die Lage der evtl. vorliegenden Myome, deren Anzahl und Größe bestimmt werden und ermöglicht eine Beobachtung von Myomen über einen längeren Zeitraum.

Gebärmutterspiegelung (Hysteroskopie):

Eine der möglichen weiterführenden operativen Untersuchungen ist die Gebärmutterspiegelung. Mittels optischer Instrumente und Kameras (Hyperoskop), welche durch die Scheide über den Gebärmutterhals in die Gebärmutter eingeführt werden, kann das Innere der Gebärmutter betrachtet und bei Bedarf direkt kleinere submuköse Myome entfernt werden.

Bauchspiegelung (Laparoskopie):

Bei einer Bauchspiegelung wird die Bauchhöhle von innen mit einer Optik (Laparoskop) untersucht. Durch winzige Schnitte im Bauchnabel und im Unterbauch werden Optik und Instrumente eingeführt. Diese ermöglichen so die Beurteilung der Gebärmutter und der Eierstöcke. Hierbei können gleichzeitig Operationen wie z.B. eine Myomentfernung oder Lösung von Verklebungen oder Verwachsungen an den Eileitern und Eierstöcken vorgenommen werden.

Magnetresonanztomographie (MRT) oder Computertomographie (CT)

Bei einer Magnetresonanztomographie (MRT) oder einer Computertomographie (CT), die aus anderen Gründen durchgeführt wurde, werden Myome manchmal als Nebenbefund entdeckt. Gezielt werden diese bildgebenden Verfahren zur Abgrenzung von bösartigen Erkrankungen (z.B. Eierstockkrebs) eingesetzt und gehören nicht zu den routinemäßigen Untersuchungsmethoden bei Myomen.

 

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Welche Behandlungsoption die richtige ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab:

  • Art, Stärke und Häufigkeit der Beschwerden
  • Größe und Lokalisation der Myome
  • Schnelles Wachstum der Myome
  • Leidensdruck
  • Wünsche der Patientin nach Zeitpunkt und Art der Therapie

Medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten

Medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten haben den Vorteil, dass sie die Gebärmutter und die Fruchtbarkeit erhalten können. Die Wahl der Medikation ist abhängig von der Schwere der Symptome und dem Therapieziel. Grundsätzlich sollten alle medikamentösen Therapien in Erwägung gezogen werden, bevor invasive Verfahren wie Operationen oder radiologische Verfahren zum Einsatz kommen.

Myome und deren Beschwerden sind heute sehr gut behandelbar, auch medikamentös!

Diclofenac und Ibuprofen zur Schmerzlinderung und Entzündungshemmung

Antifibrinolytika beeinflussen die Blutgerinnung und können dadurch starke Blutungen vermindern

Hormonelle Kontrazeptiva (Pille, Ring, Implantat, Hormonspirale, 3-Monats-Spritze) ermöglichen es, Symptome wie Blutungsstärke und Regelschmerzen zu verringern. Diese Medikamente wirken jedoch nicht auf das Myom, führen also nicht zu einer Verkleinerung. Es sind deshalb auch keine hormonellen Kontrazeptiva bekannt, die für die Therapie von Myomen zugelassen sind.

GnRH-Analoga (wie z.B. Leuprorelin, Goserelin, Buserelin oder Triptorelin) hemmen die übergeordnete Hormonproduktion im Gehirn. Dadurch bilden die Eierstöcke keine Östrogene mehr, und es stellen sich wechseljahrestypische Symptome ein. GnRH-Analoga bewirken effektiv eine Verminderung der Myomgröße und der Blutungsstärke bis zum völligen Ausbleiben der Monatsblutung. Nach Absetzen der Medikation erreichen die Myome oft wieder ihre Ausgangsgröße. GnRH-Analoga werden als Einmonats-, Dreimonats- oder Sechsmonats-Depot in Form von Spritzen verabreicht.

Ulipristalacetat 5 mg (UPA): Seit 2013 steht mit dem Wirkstoff eine medikamentöse Behandlungsmöglichkeit in Tablettenform zur Verfügung. Ulipristalacetat gehört zur Klasse der selektiven Progesteron-Rezeptor-Modulatoren (SPRM) und wirkt, indem es den Rezeptor eines Hormons im Körper, des sogenannten Progesterons, vorwiegend hemmt. Ulipristalacetat bewirkt eine relativ schnelle Blutungskontrolle bis hin zum Ausbleiben der Monatsblutung und in den allermeisten Fällen eine Schrumpfung vorhandener Myome sowie eine anhaltende Besserung der myombedingten Beschwerden. Die Behandlung dauert zwölf Wochen. Sie kann frühestens mit Einsetzen der zweiten Regelblutung nach der ersten Behandlung wiederholt werden.

 

Radiologische Behandlungsmöglichkeiten

1. UAE (Uterine Arterien-Embolisation)

Bei dieser Methode handelt es sich um eine radiologische, minimalinvasive Behandlung der Myome. Ziel ist, die Blutversorgung des Myoms zu unterbrechen, um das Myomwachstum aufzuhalten und dadurch die Beschwerden zu lindern. Dazu wird über einen Hautschnitt in der Leiste ein Katheter unter Röntgenkontrolle in die, den Uterus versorgenden, Gefäße vorgeschoben. Der Verschluss der Arterie (Embolisation) erfolgt über einen Mikrokatheter mittels Einspritzen von kleinen Gelatine- oder Plastikpartikeln. Dieser Eingriff erfolgt in einer Kurznarkose und wird dann auf der gegenüberliegenden Seite wiederholt.

Durch verringerte oder unterbrochene Blutzufuhr schrumpfen die Myome im Verlauf von Wochen bis Monaten. Vorteile der Methode sind die geringe Invasivität sowie der Erhalt des Uterus. Jedoch können erhebliche Schmerzen auftreten und Myome erneut wachsen. Eine mögliche Komplikation der UAE besteht in einer Schädigung der Eierstöcke mit Unfruchtbarkeit und vorzeitigen Wechseljahren. Diese Behandlungsoption sollte daher nur bei Frauen mit abgeschlossener Familienplanung angewandt werden.

 

2. MRgFUS (Magnetresonanzgesteuerte hochfokussierter Ultraschall)

Bei der MRgFUS-Methode handelt es sich um eine seit einigen Jahren durchgeführte konservative Behandlungsmethode. Dieses Verfahren kommt im Gegensatz zur Uterusarterienembolisation ohne minimalinvasiven Eingriff (Hautschnitt etc.) aus.

Beim fokussierten Ultraschall liegt die Patientin unter Analogsedierung auf dem Bauch in einem Kernspintomographen, der mit Hilfe von Magnetfeldern dreidimensionale Aufnahmen des Myoms erzeugt. Mit hochenergetischem gebündeltem Ultraschall werden die Myomzellen auf ca. 60 bis 80 Grad Celsius erhitzt und sterben dadurch ab. Anschließend werden sie innerhalb der folgenden Wochen und Monate über das körpereigene Immunsystem abgebaut. Die Dauer der Behandlung beträgt etwa zwei bis drei Stunden. Die Behandlung wird von den Patientinnen sehr gut vertragen, so dass bereits ein bis zwei Tage nach der Therapie alle Verrichtungen des täglichen Lebens wieder aufgenommen werden können. Es entstehen keine Narben. Die Therapie wird stationär/ambulant durchgeführt.

Voraussetzungen:

  • Unauffälliger Krebsabstrich (Zytologiebefund: Pap) nicht älter als ein Jahr
  • Anatomische Lage der Myome muss sicheren Zugang für die Ultraschallwellen ermöglichen
  • Keine Kontraindikationen gegen die Durchführung einer MRT-Untersuchung
  • Keine Kontrastmittelallergie

Ob eine MRgFUS angewandt werden kann, hängt somit von der Lage, Größe, Anzahl und Durchblutung der Myome ab und muss in jedem Einzelfall überprüft werden. Die Methode ist besonders für Frauen mit Kinderwunsch geeignet.

Die Kosten werden von den meisten privaten Krankenkassen übernommen. Grundsätzlich stellen wir mit der Patientin pro Einzelfall einen Antrag auf Kostenerstattung.

Operative Behandlungsmöglichkeiten

1. Minimalinvasive Myomenukleation (Ausschälung des Myoms)

Bei der Myomenukleation wird nur das Myom unter Erhalt des Uterus ausgeschält/entfernt. Ein Vorteil ist die weiterbestehende Fruchtbarkeit, falls noch ein Kinderwunsch besteht. Jedoch können Myome nach dieser Operation wieder auftreten. Ob eine Myomenukleation in Frage kommt, hängt von Lage, Größe, und Zahl der Myome ab. Die Durchführung kann je nachdem hysteroskopisch oder laparoskopisch erfolgen.

2. Entfernung der Gebärmutter (Hysterektomie)

Die Entfernung der Gebärmutter (Hysterektomie) ist nach wie vor der häufigste chirurgische Eingriff zur Myomtherapie. Diese Operation kann mit Bauchschnitt (abdominal) erfolgen oder von der Scheide aus (vaginal). Eine offene Bauchoperation ist jedoch in der heutigen Zeit eher selten. Sie wird fast nur bei sehr großen Myomen durchgeführt.

Vorteil der Entfernung der Gebärmutter ist, dass die Patientin schnell symptomfrei ist, insbesondere Blutungsstörungen beseitigt sind und keine Myome mehr auftreten können. Die Familienplanung muss jedoch zum Zeitpunkt der Operation abgeschlossen sein.

Das Arzt-Patienten-Gespräch

Die folgenden Punkte geben eine Hilfestellung für das Arzt-Patienten-Gespräch:

  • Kommt eine medikamentöse Therapie in Frage?
  • Wie wirkt die medikamentöse Therapie?
  • Welche Nebenwirkungen können auftreten?
  • Treten Wechseljahresbeschwerden auf?
  • Ist eine hormonelle Therapie sinnvoll?
  • Wie lange müsste ein Medikament eingenommen werden?
  • Wie lange hält die Wirkung an?
  • Muss operiert werden?
  • Ist eine Entfernung der Gebärmutter vermeidbar?
  • Besteht die Gefahr, nach einer Myomoperation vorzeitig in die Wechseljahre zu kommen?
  • Wie wirken sich die medikamentöse oder die operative Therapie auf Sexualität und Lust aus?
  • Ist unter der medikamentösen Therapie bzw. nach einer Operation eine Schwangerschaft möglich?
  • Muss weiterhin verhütet werden?
  • Sind die Beschwerden nach der Behandlung auch wirklich beseitigt?

Kontakt

Myomzentrum

Sektion Osteoonkologie, Gynäkologische Endokrinologie und Reproduktionsmedizin

Prof. Dr. Peyman Hadji
Sektionsleitung

Terminvergabe
Eyke Tönnes
Tel  (069) 7601 8114
Fax (069) 7601 8088

toennes.eyke@khnw.de

 

HR4 - Neue Therapie gegen Myome

HR-Fernsehen: Myome - Beschwerdefrei ohne Operation

Sehen Sie die Prof. Hadji in der Sendung service: gesundheit des HR-Fernsehens vom 02.07.2015:

Myome - Beschwerdefrei ohne Operation