Digitales Monitoring für MS-Patient:innen
Kemal Aydin, Facharzt für Neurologie an der Klinik für Neurologie des Krankenhauses Nordwest in Frankfurt am Main, ist mit dem mit 15.000 Euro dotierten Forschungspreis der Erwin und Margareta Pleines Hessischen Multiple Sklerose Stiftung ausgezeichnet worden. Prämiert wurde sein Projekt „ReDiMS – Regular Digital Monitoring Surveys in Patients with Multiple Sclerosis“, ein innovatives digitales Monitoring- und Self-Assessment-Tool zur verbesserten Betreuung von Menschen mit Multipler Sklerose (MS).
Multiple Sklerose ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des Nervensystems, die individuell sehr unterschiedlich verläuft und bislang nicht heilbar ist. Akute Symptome und Krankheitsschübe können jedoch wirksam behandelt werden – vorausgesetzt, Veränderungen werden frühzeitig erkannt. Genau hier setzt ReDiMS an: Das digitale Tool ermöglicht es MS-Patient:innen, ihren Gesundheitszustand regelmäßig selbst zu erfassen. Über strukturierte digitale Fragebögen werden Symptome, Krankheitsaktivität, Wohlbefinden und Therapieadhärenz dokumentiert. Bei Verdacht auf einen akuten Schub können Patient:innen zusätzlich eigenständig eine Meldung abgeben, so dass das Behandlungsteam unmittelbar informiert wird und schneller reagieren kann.
„Unser Ziel war es, die Versorgung zwischen den regulären Arztterminen sichtbar zu machen“, erläutert der Preisträger. „Durch das regelmäßige digitale Monitoring erkennen wir Veränderungen früher, können Therapien zeitnah anpassen und stärken zugleich die aktive Rolle der Patientinnen und Patienten im Umgang mit ihrer Erkrankung.“
Bereits eine erste Pilotphase mit zehn Patient:innen zeigte vielversprechende Ergebnisse: 90 Prozent bewerteten die Anwendung als einfach und intuitiv, 80 Prozent fühlten sich besser betreut und enger an ihr Behandlungsteam angebunden. In mehreren Fällen konnten klinisch relevante Veränderungen frühzeitig digital erkannt und abgeklärt werden. Nahezu alle Teilnehmenden wünschten sich eine dauerhafte Nutzung des Systems.
Neben der Verbesserung der individuellen Versorgung bietet ReDiMS auch gesundheitspolitisches Potenzial: Ärztliche Ressourcen können effizienter eingesetzt, die Therapieadhärenz durch Erinnerungsfunktionen unterstützt und Krankheitsaktivität früher erkannt werden – ein entscheidender Faktor für den langfristigen Verlauf der MS.
„Wissen, ärztliche Betreuung und therapeutische Fürsorge für MS-Patientinnen und -Patienten immer weiter zu verbessern, ist uns eine Herzensangelegenheit“, betonen die Vorsitzenden der Hessischen MS-Stiftung, Alexandra Burchard von Kalnein und Prof. Dr. med. Uta Meyding-Lamadé, eine der führenden Neurologinnen Deutschlands. Die Stiftung ist die einzige MS-Stiftung in Deutschland, die einen Forschungspreis auslobt – 2025 bereits zum dritten Mal.